Vorzeigewein des Chianti Classico

Wie gehört eigentlich Chianti Classico? Mein Erstkontakt mit diesem Wein nur etwa 30 Autominuten von Siena entfernt war durchaus interessant, aber offensichtlich nicht unbedingt repräsentativ. Ein liebenswürdiger Herr ließ uns bei einem Besuch des erstbesten Weinguts, der Fattoria Petroio, seinen Chianti Classico probieren. Eine tief dunkelrote Farbe, viel Eiche, eine ziemliche Schwere, rauhe Tannine und wenig fruchtige Noten ergaben einen imposanten Wein, von dem wir sogleich ein paar Flaschen kauften. Dieses tolle Urlaubserlebnis musste gegenständlich mit nach Hause transportiert werden.

Dass ein Wein, insbesondere einer aus dem Chianti Classico, auch ganz anders ausfallen kann, nämlich durchaus elegant und mit einem Hauch von Frucht, wurde mir erst später klar. Bei einer Hausmesse im Weinhandel meines Vertrauens hatte ich die Gelegenheit, die Erzeugnisse von Badia a Coltibuono (Emanuela Stucchi Prinetti) zu probieren. Was für ein Unterschied!

Wie auch im Urlaub in der Toskana bestand bei der Weinverkostung mit Frau Stucchi die Gefahr, stärker vom Kontext (und der charmanten Winzerin) als vom Wein selbst beeinflusst zu werden. Inzwischen habe ich jedoch auch die eine oder andere Flasche des 2006er Badia a Coltibuono Chianti Classico im neutralen Zuhause entkorkt. Er macht den drei Gambero-Rosso-Gläsern alle Ehre. Mit dem Eichenmonster, das meinen ersten Chianti-Eindruck geprägt hatte, hat dieser nichts zu tun. Hier schmeckt man Frucht und eine unbeschreibliche Rafinesse, die an einen Burgunder erinnert - mit dem Unterschied, dass man für 13 EUR keinen vernünftigen Burgunder bekommt. Dazu etwas Brot und Ziegenkäse, und die Welt ist in Ordnung.

Daten

Rebsorten: 90% Sangiovese, 10% Canaiolo. Boden: Lehm und Kalkstein. Organischer Anbau. Gärung auf der Schale 3 Wochen. Fermentation mit eigenen Hefen. Ausbau 12 Monate in französischer und österreichischer Eiche, verschiedene Fassgrößen.