Für Etikettentrinker

Es soll ja Menschen geben, die Wein nur nach dem Etikett kaufen. Gemeint ist hierbei üblicherweise, dass diese Käufer sich für nichts interessieren, wo nicht Rothschild, Mouton, Lafite oder ähnliches drauf steht. Leider kommen diese Menschen in meiner Vorstellung selten in die Situation, ihre Kostbarkeiten genießen zu können. Denn der Möchtegern-Geschäftspartner, bei dem der Weinflaschenbesitzer angeben möchte, lässt sich einfach nicht auf eine private Einladung ein, bei der dann die prestigeträchtigen Flaschen auf den Tisch kommen könnten.

Ich bekenne mich hier zu einer anderen Art von Etikettenkäufer- - oder sagen wir -trinkertum. Wenn mich ein Etikett anspricht, will ich wissen, wie der Wein dahinter ist.

Der Schellmann "An der Südbahn" 2006 (Achtung: Die große Abbildung zeigt den 2005er) ist so ein Opfer, das - vom Weingut selbstverständlich völlig unkalkuliert - wegen seines äußeren Erscheinungsbildes auf meinem Tisch gelandet ist. Namensgebend für das Produkt ist die Eisenbahnlinie, die durch das Anbaugebiet, die österreichische Thermenregion, verläuft. Der Inhalt: eine Cuvée aus Zweigelt, St. Laurent und Spätburgunder. Verantwortlich dafür: kein geringerer als Fred Loimer.

Lüftet man den Schraubverschluss, kommt ein durchaus vielschichtiger, konzentrierter Wein mit allerlei Aromen von roten Früchten bis zu Gewürzen ins Glas. Mir scheint allerdings, man darf sich gerne noch ein bis zwei Jahre am Äußeren erfreuen, bevor man sich den inneren Werten nähert.

Warum in die Ferne schweifen? Lagenkarten vom VDP

Lagenkarte-pfalz-ausschnitt

Natürlich muss es nicht gleich Iberien sein, wenn man die Welt des Weins entdecken will. Die deutsche Weinlandschaft ist ja auch schon groß und kompliziert genug. Und detailiert kartographiert. Für alle, die schon immer mal wissen wollten, wo eigentlich das Forster Ungeheuer lebt, gibt es beim VDP (nicht ganz einfach zu finden) Lagenkarten vieler deutscher Weinanbaugebiete. Bis auf die der Mosel. Die ist wahrscheinlich gerade in Überarbeitung, wegen des Hochmoselübergangs. :/

Oh Du schöne, komplizierte iberische Weinhalbinsel

Iberia_big

Das ideale Geschenk für Spanien- und Portugal-Fans? Wie jede Landkarte, reizt diese Karte dazu, neue Welten zu entdecken. In diesem Fall nicht unbedingt territorial, sondern vielleicht eher geschmacklich. Wer beim Schenken auch noch eine Flasche spanischen oder portugiesischen Wein sowie Stecknadeln zum Markieren auf der Karte beilegt, dem dürfte ewige Dankbarkeit sicher sein.

Zu bestellen bei DeLong.

Spätburgunder von Jürgen von der Mark exklusiv bei REWE

Rewewein

Im Handzettel, auf der Website und auf Großflächenplakaten von REWE lächelt uns momentan Jürgen von der Mark entgegen, einer von aktuell drei Deutschen, die den Titel "Master of Wine" tragen dürfen. Von der Mark hat für REWE einen Wein produziert, einen Pinot Noir. Grundlage dafür ist laut Etikett und Website das Lesegut verschiedener Weinbauern von Kaiserstuhl und Ortenau. Ein Badenser also, wie auch das traditionsbewusste Etikett mit dem Label "Weinland Baden" vermitteln will.

Was kann ein Spätburgunder für 5,99 EUR? Ich hatte natürlich auf die große Überraschung gehofft. Burgund im Glas für nen Appel und ein Ei. Und dann den REWE leer kaufen. Leider nicht.

In der Farbe ist er dunkler als erwartet, violett mit leicht bräunlichen Reflexen. Im Mund fällt ein unangenehmer Ton deutlich auf. Möglicherweise Schwefel? Der Wein ist ja erst Ende Oktober abgefüllt worden. Von den roten Früchten, die man erwartet, ist leider nicht viel zu schmecken. Dafür fällt auf, dass es im Mund ein wenig britzelt.

Dieser Wein, der sicherlich für den direkten Konsum gedacht ist, sollte vermutlich erst mal 6 bis 24 Monate liegen, bevor man ihm an den Korken geht. Ob er dann allerdings etwas entfaltet, worauf zu warten sich lohnt, bleibt offen.

Wein für eine bessere Welt

Fledgling

Wein läuft Bionade den Rang als Getränk für eine bessere Welt ab. Twitter bewirbt auf seiner Website die Initative Fledgling Wine, die Weingenuss mit der Hilfe für die Ärmsten verbinden soll. Fledgling (dt. Grünschnabel) verkauft kalifornischen Wein, und der Erlös der Aktion soll dabei helfen, Kindern den Zugang zur Bildung zu erleichtern.

Zur Auswahl stehen ein 2009er Pinot Noir und ein 2009er Chardonnay, die 2010 abgefüllt werden. Ob die Bestellung auch außerhalb der USA möglich ist, erfährt man auf der Website nicht. Das Bestellformular sieht das jedenfalls nicht vor.

Schade, dass man aus der Ferne die Seriosität einer solchen Aktion so schlecht beurteilen kann. Es würde mich jedoch freuen, wenn sie auf europäische Nachahmer stoßen würde.